Wie ich in einer mühsamen Gemeinde wachsen kann (Gastbeitrag)

Die Gemeinde ist das Bauwerk Gottes. Und doch kann Mitarbeit in einer Kirche oder Gemeinde manchmal ziemlich mühsam sein. In diesem Gastbeitrag berichtet Beat Staub, wie man gerade in einer solchen Situation persönlich wachsen kann.

Beat Staub ist Jugendpastor in der  FEG Langenthal, verheiratet und seit kurzem Vater.

Dieser Beitrag wurde erstmals in der Verbandszeitschrift vom Bund FEG veröffentlicht.

Nichts von dem, was ich in den folgenden Zeilen zu schreiben plane, entbindet die Verantwortlichen einer Gemeinde von ihrer Pflicht, gut für die ihnen anvertrauten Menschen zu sorgen und sie mit Herausforderungen, Ermutigungen, gesunder Lehre und hilfreicher Seelsorge zu versorgen! Was ich zu schreiben plane, ist ein Plädoyer dafür, die Gemeinde, zu der man gehört, zu lieben, egal wie sie aussieht!

Wenn meine Gemeinde nicht so ist, wie ich sie mir wünsche

Im Gespräch mit Jugendlichen – Was sage ich „mit Jugendlichen“? Es geht eigentlich querbeet durch die Gemeinde. – begegne ich immer wieder Aussagen, die zum Ausdruck bringen, dass sie nicht zufrieden sind mit ihrer Gemeinde.

Und ich gehöre auch dazu. Ich kann mich an keine einzige Gemeinde erinnern, von der ich Teil war, die so war, wie ich sie mir gewünscht hätte. Noch nie habe ich eine Gemeinde erlebt, von der ich einfach nur begeistert gewesen wäre. Und glaub mir, ich hab‘ schon recht Vieles erlebt, was in meinen Augen eine Gemeinde als untauglich qualifizieren müsste! Noch keine Gemeinde, in der ich bisher gearbeitet habe oder Teil davon war, war genau so, dass ich mich dort zu hundert Prozent wohl oder positiv herausgefordert gefühlt hätte. Manchmal waren es nicht mal fünfzig Prozent. Die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, kann man in verschiedensten Situationen darstellen, um zu zeigen, wie man es nicht machen sollte. Aber es war die beste Gemeinde, um meinen Glauben zu formen.

Denn in dieser Gemeinde habe ich eine Sache relativ früh realisiert: Meine Gemeinde trägt nicht die Verantwortung für meinen Glauben. Die trage ich. Und ich kann mich entscheiden, wie ich mit all dem umgehe, was nicht dem entspricht, was gut ist oder was ich als gut befinden würde.

Oft unterliegen wir dem Irrtum, dass wir vor allem dann im Glauben wachsen und Gott erfahren, wenn alles so läuft, dass es genau auf uns zugeschnitten ist. Aber meistens wachsen wir genau dort am stärksten, wo sich uns Widerstände in den Weg stellen. In der Gemeinde ist dies meines Erachtens die Herausforderung der Liebe.

Einander lieben zu Gottes Ehre

Wenn wir in der Bibel über die Gemeinde lesen, dann fällt uns eines auf: Es geht immer wieder darum, die Menschen, die sich dazu zählen, zu lieben. Nehmen wir einmal die folgenden Bibelstellen:

Römer 15,7: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes.

John 13,34: Ein neues Gebot gebe ich euch: dass ihr einander liebt. Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

John 15,12: Das ist mein Gebot: Dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.

John 15,17: Dies gebiete ich euch: dass ihr einander liebt.

Rom. 13,8: Bleibt niemandem etwas schuldig, ausser dass ihr einander liebt. Denn wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

1Pet. 3,8: Schliesslich: Seid alle eines Sinnes, voller Mitgefühl, liebt einander, übt Barmherzigkeit, seid demütig!

1John 3,14: Wir wissen, dass wir aus dem Tod ins Leben hinüber geschritten sind, denn wir lieben einander. Wer nicht liebt, bleibt im Tod.

1John 4,7: Ihr Lieben, lasst uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott gezeugt, und er erkennt Gott.

Lieben war noch nie das, was Christen am besten konnten. Gerade darum brauchen wir immer wieder die Herausforderung. Schon Jesus, Paulus, Petrus, Johannes und all die anderen Apostel und Autoren des Neuen Testamentes mussten ihre Mitchristen immer wieder ermutigen und es ihnen sogar befehlen. Denn in der Gemeinde geht es nicht um mich, sondern um Gottes Ehre.

Wenn ich im Glauben wachsen möchte, dann muss ich lernen, in der Liebe zu wachsen. Und zwar nicht nur zu den Menschen, die mir sympathisch sind und Gemeinde genauso verstehen wie ich, sondern auch diejenigen, die es eben nicht immer so machen, wie ich es mir wünsche.

Das Kennzeichen einer Gemeinde ist nicht, dass wir attraktive oder langweilige Gottesdienste haben, dass wir abenteuerliche Jungscharlager organisieren oder dass wir ein möglichst breites Angebot für möglichst viele Menschen haben, dass wir möglichst viele Lieder aus dem 18. und dem 19. Jahrhundert singen oder der Heilige Geist jeden Sonntag spürbar ist. Nein, das Kennzeichen einer „echten/wahren“ Gemeinde ist, dass die, die sich dazu zählen, bereit sind, die anderen, die dazu gehören, zu lieben.

Gerade dort, wo mir meine Glaubensgeschwister, meine Pastoren, meine Ältesten, meine Hauptleiter zur Last werden, weil sie einfach nicht sehen, wie man es doch eigentlich meiner Meinung nach machen müsste, gerade dort hat Jesus die Chance, seine Frucht in mir wachsen zu lassen.

Liebe deine Gemeinde! Sie ist die Gemeinde Jesu, in ihrer gesamten Trägheit, in allen Streitigkeiten, aller Eifersucht, aller Show oder eben Unlogik und Konservativität. Was jede von unseren Gemeinden mehr als alles andere braucht sind Menschen, die sich entscheiden, diese Kirche zu lieben, mit dieser Kirche barmherzig und gnädig umzugehen.

Der geschützte Rahmen

Wir haben genügend Menschen in den Gemeinden, die nörgeln und nie zufrieden sind. Du musst nicht auch noch einer davon werden und sein. Welches Bild gibst du ab für Leute, die neu im Glauben sind, wenn du ständig nur an der Gemeinde herumnörgelst, selbst wenn deine Kritik berechtigt ist? Was sollen sie denken? Was lernen sie von dir? Was denken sie über dich? Ist das für sie hilfreich, das Wesen von Jesus in dir zu erkennen?

Wir sprechen davon, dass wir die Welt lieben wollen, aber wir sind nicht bereit unsere Gemeinde zu lieben, wenn sie nicht das macht, was wir wollen. Jesus hat dir mit der Gemeinde ein Umfeld gegeben, einen geschützten Rahmen, wo du Liebe üben kannst. Die Gemeinde ist darum ein so schwieriger Ort, weil wir ja erwarten, dass alle anderen das auch tun. Aber nur, weil die anderen es nicht tun, heisst das nicht, dass du nicht in der Lage bist zu lieben.

Es werden sich dir immer Widerstände in den Weg stellen, in der Gemeinde oder ausserhalb davon. Aber du hast die Verantwortung, wie du diesen Widerständen begegnest. Und Jesus kann genau deine Gemeinde gebrauchen, damit du lernst, wie man liebt wie er liebt.

Jesus will dich lehren

Dass wir in oder mit der Gemeinde, zu der wir gehören, auch mal frustriert sein können, ist normal. Aber wo bringen wir diesen Frust zuerst hin?

Jesus sagt: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“ Er sagt nicht:

„Geht in die Gemeinde, wenn ihr mühselig und beladen seid und regt euch dort mit allen anderen Beladenen auf!“

Die Challenge, die Jesus an dich stellt, ist die: „Kannst du diese Gemeinde, diese Menschen hier lieben, auch wenn das Programm nicht dir entspricht? Bist du bereit, dein Kreuz in der Gemeinde auf dich zu nehmen, deine Feinde in der Gemeinde zu lieben? Und traust du mir zu, dass ich dein Leben prägen werde durch diese Bande von aus deiner Sicht inkompetenten, heuchlerischen Christen?“

Die Frage die sich hier wohl stellt, lautet:

Wie gross ist Jesus für dich?

Wir erwarten unsere Erlösung und unseren Frieden von unserer Gemeinde, dabei kann das nur von Jesus kommen. Es ist ein zentraler Schritt im Wachstum eines Christen, wenn er merkt, dass alles, was er ist, weder von den Werten der Welt noch von den Massstäben der Kirche, noch von den Menschen in der Kirche abhängt, sondern allein von Jesus. Jüngerschaft heisst Jesus nachfolgen und von ihm lernen.

Ziel unserer Jugendarbeit

Vor einigen Tagen ist mein erstes Kind zur Welt gekommen. Was möchte ich, dass es eines Tages über die Gemeinde denkt? Will ich ein Kind, das in der Gemeinde zwar seinen Erlöser kennen lernt, aber die übrigen Erlösten nur mühsam findet? Oder will ich ein Kind, das lernt, egal wie sich die Situation in einer Gemeinschaft gerade gestaltet, dass es seine Verantwortung wahrnimmt, diese Menschen, zu deren Gemeinschaft es gehört, zu lieben, ihnen zu vergeben, geduldig mit ihnen zu sein, den Frieden zu suchen, die anderen höher zu achten, weil es weiss, dass seine Kraft und Identität nicht von diesen Menschen kommt, sondern von Jesus allein?

Und damit stellt sich die Frage an euch und eure Jugendarbeit: Wenn eure Jugendarbeit das Ziel hat, Menschen dabei zu helfen, Jesus ähnlicher zu werden und zu lernen, ihm zu vertrauen, wie könnt ihr das fördern, wenn die Dinge nicht so gehen, wie ihr sie euch wünscht? Diese Aufgabe hat jeder von uns, der in der Verantwortung für Menschen steht und diese Frage kann ich nicht für eure Jugendarbeit beantworten. Den Weg müsst ihr selber finden.

Jesus liebt meine Gemeinde! Und er will mir helfen dasselbe zu tun. Die Sommerbibelschule will dich darin unterstützen, dass du motiviert und ermutigt in deine Gemeinde zurückgehen kannst. Anmelden kannst du dich hier oder abonniere den Newsletter und bleibe informiert.

Auch andere Angebote vom Bund FEG haben dieses Anliegen. Eine Auswahl:

  • en:coeurage – Schulung für Kinder- und Jugendleiter
  • nach+ – Jugendevent
  • Nela – Neujahrslager an drei Standorten
By | 2017-11-10T23:12:59+00:00 8. Oktober 2016|Allgemein, Gemeinde, Leiten|

Über den Autor:

Verheiratet mit Katrin, Vater von zwei Jungs, Pastor der FEG Sumiswald (feg-sumiswald.ch). Mitgründer der Sommerbibelschule.